….die Beschleunigung der Sprache

12. Juni 2012

Liebe Leser, geschätzte Kollegen,

die Sprache ist ein Stück Kultur, so wie das Essen oder die Mode. Geht sie verloren oder wird sie vernachlässigt, geht damit ein Stück Identität verloren. Sprache ist das Element des Homo sapiens sapiens, welches uns zusammen mit der Kreativität und unsere Fantasie ermöglicht, mit anderen Mitmenschen in Kontakt zu treten, ihnen zu begegnen, sie zu beeindrucken, zu erfreuen – oder auch nicht. Bei Letzterem ermöglicht uns die Sprache herauszufinden, wessen Geistes Kind unser Gegenüber ist, um dann begleitend entsprechende Gegenstrategieen einzunehmen. Etwa Gesprächsführung durch Fragen oder Aufbauen von in sich logischen Argumentationsketten aus dem Gesprächsrepertoire  unseres Gegenüber.

Wie dem auch sei, es gibt jedenfalls vielerlei Möglichkeiten zur Pflege der Sprache – nur was ist, wenn sich sukzessive in unsere Alltagssprache immer öfter Worte einschleichen, die man eigentlich so noch nicht gehört hatte…..

Doch lesen Sie selbst.

Eine kleine Kurzgeschichte von flexgood, aufgeschrieben eines Abends zum Feierabend in einem Hotelzimmer im Norden Deutschlands  im Jahre 1997 …..

Tschöööö – ja, tschüss !

“ Eines ist klar. Wer nicht mit der Zeit geht – geht mit der Zeit. Mit diesem Ausspruch hast du als altgedienter Aussendienstler sowieso Deine Problemchen.

Du hast Dir mit den Jahren mühsam einige Verhaltensroutinen antrainiert. Sie schützen dich davor, dass Du beim Kunden bei der Preisverteidigung Deiner Produkte emotional angreifbar wirst. Auch davor, dass Du bei unhöflichen Kunden oder solchen ohne Umgangsformen ebenfalls unhöflich wirst. Desweiteren helfen sie Dir, ein schlechtes Gewissen bezüglich regelmäßiger Preiserhöhungen, die Du in einem stagnierenden Markt durchsetzen musst, zu besänftigen.

Auch sind solche Routinen sehr nützlich, wenn Du merkst, dass wieder so ein mit allen Wassern gewaschener Einkäufer zu jedem, denkbaren Mittel greift. Von überlanger Wartezeit bis hin zur versuchten, persönlichen Herabsetzung, um Dich zu verunsichern.

Dies alles lässt dich, gelinde gesagt, relativ kalt. Du kannst damit gut umgehen. In zig-tausend Kundengesprächen hast Du schliesslich geübt, was in solchen Fällen zu tun ist.

Aber es gibt doch ein paar Basic’s. Dinge, die einfach nicht sein können, ja sein dürfen. Und als jemand, der täglich das Mittel der Sprache einsetzt, um seine Ziele und Absichten zu verdeutlichen, bist Du natürlich in solch einem Falle ( „Tschöööö“) gefordert.

Was will dir jemand mit solch einem Wort am Schluss eines Gespräches sagen ? Klingt das nicht wie ein Zusammenschluß von „Tschüss“ und „nö“ ?  Auf diese Stufe hattest du Dich ja bereits mit den Jahren begeben .  Diese Worte wiederum leiten sich von  „auf Wiedersehen“ und “ nein“ ab. Auf dieser Stufe warst Du kurz nach dem Studium. Können wir dann nicht daraus schlussfolgern, dass hier der Aussender dieser Botschaft ausdrücken möchte, schnellstmöglich in Ruhe gelassen werden zu wollen ?

Wir wissen es nicht. Was bleibt, ist eine doch etwas tiefergehende Verunsicherung. Und eine Vorahnung.

Noch so ein paar Inhaberwechsel in Deinem Kundenkreis und Du wirst vielleicht  doch langsam zu alt für diesen Job !“

Allen eine schöne und erfolgreiche Woche ( und morgen unseren Jung’s einen Sieg gegen Holland )

flexgood

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