der innere und äussere Wert einer Vortragstätigkeit ….

3. November 2012

Lieber Leser, geschätzte Kollegen,

es gibt offensichtlich in unserer politischen Landschaft in Deutschland einige Damen und Herren, die über ein gehöriges Maß nicht nur an rhetorischem Geschick und Kommunikationsfähigkeit verfügen, sondern darüber hinaus auch inhaltlich enorme Denkanstösse geben können.

Anders lässt sich wohl nicht begründen, weshalb einer davon, Herr Steinbrück – seit kurzem ganz offiziell Kanzlerkandidat der SPD – , so signifikante Einnahmen aus seiner Vortragstätigkeit erzielen konnte. Die jetzt veröffentlichten Zahlen weisen Einnahmen innerhalb von 3 Jahren in Höhe von ca. 1,3 Mio. Euro aus. Die Unternehmen und Einrichtungen die seine Vorträge bestellten, waren wohl zum größten Teil Stadtwerkebetriebe, regionale Sparkassen und diverse Verbände oder Kommunen. Weiterhin heißt es, wurde häufig von vornherein mit dem Redner vereinbart, die zum Teil 5 stelligen Honorare dann jeweils einem karitativen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Lassen wir einmal das Hin und Her zum letzten Punkt weg, denn es gab durchaus Honorarzahlungen im 5 stelligen Bereich (Stadtwerke Bochum), die direkt an Herrn Steinbrück flossen und betrachten wir doch einmal den absoluten Mehrwert, der durch die Anwesenheit des Herrn Steinbrücks einerseits ja entstanden sein muß und andererseits dann durch seine vorgetragenen Gedanken und Thesen nochmals begründet und untermauert wurde.

Gibt es überhaupt einen messbaren Mehrwert, einen Aha-Effekt durch das geladene Publikum im Saal, der begründen kann, dass eine 1/2 stündiger Vortrag eines bekannten Politikers bis zu 25.000 € wert sein soll ? Wer legt das fest ? Der Markt ? Der Vorstand der Sparkasse ?

Weshalb kann ich mich selber an einen solchen Mehrwert nicht erinnern, der als politisch interessierter Mensch z.B. regelmäßig die Leipziger Buchmesse besucht und auf den dortigen Podiumsveranstaltungen an einer Reihe von Vorträgen, Diskussionen und Gesprächen teilnimmt, auch mit Herrn Steinbrück als Gesprächsgast?

Mir war jedenfalls nicht in Erinnerung, bahnbrechendes aus diesem Munde vernommen zu haben, aus dessen Grund ich , wäre  ich z.B. Vorstandsvorsitzender einer Sparkasse,  Herrn Steinbrück für ein Honorar von 25.000 €  hätte einladen wollen. Und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass die Mehrzahl der Teilnehmer an solchen Veranstaltungen einen anderen Eindruck hatte. Man erinnere sich nur, dass die dort von ihm vormals vorgetragenen Allgemeinplätze über die Ursache des Beginns der Finanzkrise ( Pleite Lehmann Brothers ) von unabhängigen Experten ( Prof. Otte, Prof. Hankel und andere) bereits sehr schnell ad absurdum geführt wurden.

Diese Meinungen passten jedoch nicht in die politische Landschaft – bis heute.

Es muß also einen sog. Innenwert einer Vortragstätigkeit geben – und einen Außenwert.

Ein Innenwert der dadurch entsteht, dass man eine Veranstaltung bei der IHK, bei der Sparkasse etc. hat, wo die Gastgeber und geladenen Gäste offensichtlich bereit sind, politisch eingefärbte, vermeintlich intellektuelle Thesen aufzunehmen und gleichwohl zu akzeptieren, dass man dafür auch ordentlich Geld aus dem WERBEBUDGET ( !! ) entnehmen sollte, um den Vortragenden zu bezahlen.

Der Außenwert einer Vortragstätigkeit wäre dann wohl der, wenn ein Referent mit genügend unabhängiger Reputation versehen, durch sein intellektuelles Abstraktionsvermögen, seine Fähigkeit komplizierte Sachverhalte einfach und nachvollziehbar darzulegen und den freiwillig gekommenen Zuhörern durch die Art und Weise des Vortrags zu ermöglichen,  eigene Schlüsse zu ziehen und sie durch seine multiplen Fähigkeiten, auf der Klaviatur der Kommunikation zu spielen, förmlich in seinen Bann zieht. Dann wären mit hoher Wahrscheinlichkeit auch genügend interessierte Zuhörer vorhanden, die für solch eine fesselnde Vortragskunst, die dann in eigenem Erkenntnisgewinn mündet, auch noch etwas bezahlen würden.

Beides kann ich bei Herrn Steinbrück leider nicht erkennen, wiewohl ich ehrenhalber sagen würde, dass dies auch bei den allermeisten Rednern aus bestimmten politischen Zirkeln oder Parteien so ist, unsere Kanzlerin ist da nur das bekannteste Beispiel. Deshalb würde ich vorschlagen, dass nur der etwas in Vorträgen sagt, der auch etwas zu sagen hat. Wenn er  dies dann auch noch ehrenamtlich tut, weil er bereits erhebliche Einnahmen aus politischen Mandaten oder Ämtern hat, um so besser. Ein Vortrag wird jedoch mit Sicherheit nicht seriöser und besser, wenn man mit zusammengepressten Mundwinkeln provokante, nicht zu Ende gedachte Thesen im Schnellsprech vor das Publikum wirft in der Hoffnung, die Hälfte davon allein wird sowieso nicht reflektiert, weil sie rein akustisch bei vielen gar nicht richtig ankommen.

Schade um das schöne Werbebudget – wie viele griffige und wirklich imageträchtige Kampagnen könnte man davon finanzieren. Oder wie viele Stadtwerkebetriebe könnten so ihre regelmäßigen Preiserhöhungen bei den Allgemeintarifen Strom & Gas niedriger ausfallen lassen.

einen schönen Samstag wünscht euch – euer langgedienter Mediaberater

flexgood

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