…. emotionale Brillianz

20. Oktober 2013

Liebe Leser, geschätzte Außendienstkollegen,

 

wie wir seit B. Russell oder P. Watzlawik wissen, hat ein Gespräch immer 2 Perspektiven, unter denen es betrachtet werden sollte. Da ist zum einen die Objektebene – sie beschreibt konkrete Merkmale oder Eigenschaften des  Thema’s (Person, Sache) , welches gerade aktuell besprochen wird.  … “ Dieser Schuh ist braun…“ oder … “ Diese Flasche ist voll….“ oder… “ meine Argumente dazu sind folgende …usw.

 

Zum anderen haben wir dann die Beziehungsebene – hier werden Sachen oder Personen ( meist unbewußt) miteinander abgeglichen bzw. gewertet, etwa : “ mein Einduck ist , daß dieser Mann höflicher als der da hinten ist…“ oder … “ ich denke mal, mein Laptop ist viel besser als deiner…“ oder wenn sich jemand diffus in einem Gespräch wohl oder auch unwohl fühlt , obwohl er / sie sich das eigentlich nicht erklären kann bzw. nur eine Vermutung „aus dem Bauch heraus“ dafür hat usw.

Die Kunst in der Gesprächsführung unter Einbeziehung von emotionaler Intelligenz besteht nun darin, diese beidenen Ebenen, die völlig unterschiedlich betrachtet werden müssen, auch im Gespräch wirklich auseinanderzuhalten. Denn in der Objektebene geht es zuvorderst um ein Abgleich von Parametern, Argumenten, Fakten, Beispielen, einem Austausch von Meinungen – in der Beziehungsebene geht es um Urteile, Ansichten, Gefühle über oder bei etwas  bzw. jemandem. Sie sind somit immer auch subjektiv eingefärbt, persönlich motiviert und können aber auch in einem Gesprächsverlauf umschlagen.

 

Dies lässt meiner Ansicht nach so viele Gespräche scheitern, weil die Gesprächsteilnehmer nur sehr undifferenziert zwischen diesen beiden Ebenen wechseln können, da sie nicht wissen, in welcher Ebene sich der Gesprächsverlauf gerade aktuell befindet. Profi’s merken dies sehr schnell, entweder durch jahrelanges Training oder durch eine natürliche Gabe, und können sofort darauf reagieren.

Sie holen ihren Gesprächspartner gefühlsmäßig dort ab, wo er / sie sich gerade befindet und setzen dort ihre Kommunikation an.

 

Hier ein sehr schönes Beispiel eines emotional geführten, brillianten Gespräches, welches ich in dem Buch “ Emotionale Intelligenz “ von Prof. D. Golemann ( DTV, 1997, ISBN 3-423-36020-8 ) gefunden habe und immer wieder mal zur Hand nehme :

 

…..“ ein Betrunkener in einem Vorortzug von Tokio randaliert und belästigt Mitreisende. Ein ebenfalls mitfahrender Aikido – Kämpfer will gerade eingreifen, da ertönt von hinten ein merkwürdiger, heller, fast fröhlicher Schrei : Hey !

Das klang so vergnügt, als habe jemand einen lieben Freund entdeckt. Erstaunt dreht sich der Betrunkene zur Seite und sieht ein kleines, japanisches Männlein, so um die 70 Jahre alt in einem Kimono. Der Alte strahlte den Betrunkenen erfreut an und winkte ihn mit einer einladenden Handbewegung zu sich. Dieser setzte sich mit staksigen Schritten in Bewegung und knurrte dabei wütend : was willst du von mir, warte nur ….

Was hast du getrunken, fragte der Alte. Sake hab ich getrunken, Sake – das geht dich einen Dreck an ! Pass nur auf , du !

…. oh, das ist wunderbar, absolut wunderbar – erwiderte der Alte freundlich. Weißt du, ich liebe auch Sake. Meine Frau und ich ( sie ist 76, musst du wissen ) wärmen uns jeden Abend ein Fläschchen, nehmen es mit in den Garten und setzen uns dann unter den Dattelpflaumenbaum.

Und er erzählte dem Betrunkenen von seinem Garten und von seiner Frau. Das Gesicht des Betrunkenen wurde allmählich sanfter, seine Fäuste öffneten sich langsam. Tja, ich liebe auch Dattelpflaumen, weisst du, sagte er. Und er fing an, dem Alten plötzlich seine traurige Lebensgeschichte zu erzählen – wie er seine Frau, sein Haus und seine Arbeit verloren hatte und daß er sich schäme ….

Der Aikido – Kämpfer hörte noch, wie der Alte den Betrunkenen einlud, mit ihm zu kommen und ihm alles zu erzählen. Wenige Minuten später fuhr der Zug im Bahnhof ein. Der Betrunkene lag ausgestreckt auf dem Sitz – mit dem Kopf auf dem Schoß des Alten und schlief ….“

 

Das ist emotionale Brillianz in Reinkultur. Wir alle können daraus etwas lernen. Und es braucht nicht viel dazu. Ein bisschen Wissen um das Wirken vom Unbewussten in uns, bei anderen. Und etwas Menschenkenntnis und Beobachtungsgabe. Und etwas Liebe, zumindest Wohlwollen, zu unseren Mitmenschen. Den Menschen, denen wir täglich begegnen.

Und :  Charakter . Und : Achtsamkeit.

Gebt auf eure Umgebung acht – anderen Menschen die Hand reichen, ein schönes Gefühl.

 

eine gute und erfolgreiche Woche allen

flexgood

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