… plumpe Meinungsmache – ist die Steigerung von mangelnder Kommunikationsfähigkeit oder -bereitschaft …

25. Januar 2014

Liebe Leser, geschätzte Außendienstkollegen,

an einem aktuellen Beispiel kann man momentan gut ableiten, wie mangelnde Kommunikationsfähigkeit oder – bereitschaft in plumpe Meinungsmache überwechseln kann, ohne daß es der Aussender mitbekommt.

Markus Lanz – ZDF Unterhaltungsikone u. seriöser Journalist in einer Person, so sein eigener Anspruch, ist gerade in schweres Fahrwasser gekommen. Schuld daran ist sein wenig respektabel geführtes Interview mit der Linken – Politikerin Sahra Wagenknecht, für das er sich mittlerweile persönlich bei der Politikerin entschuldigt hat.

Sie war kürzlich zu Gast in seiner Talk Sendung „Lanz“  – und kam dort nicht so recht zu Wort, bzw. dasselbige wurde ihr dort, wie man so schön sagt,  im Munde herumgedreht.

Er stellte in der Sendung ihre Antworten infrage, indem er ihr unterstellte, sie erzähle immer nur die Hälfte einer aus seiner Sicht doppelt so umfangreich notwendigen Antwort, weil sie bestimmte Fakten weglasse. Dadurch entstehe der Eindruck, dass sie eine Gesamtthematik nie vollständig in einer Antwort reflektiere, sondern sich immer nur Teilaspekte einer Fragestellung herauspicke, für die sie dann anschliessend, aus seiner Sicht, auch nur Teilantworten zu geben bereit sei.

Eine zugegebenermaßen recht akademische Diskussion in einer Unterhaltungssendung.

Rein körpersprachlich betrachtet sollte dann noch in Analyse dieses Gesprächs erwähnt werden, dass er permanent während dieser Fragerei auf seinem Sitz herumrutschte – man merkte förmlich, dass dieser Mann nicht in sich ruhte, bei dem was er tat. Dazu kam dann noch der aus seiner Sicht unerfreuliche Zustand, dass er sich visuell wie mit einem Tunnelblick derart auf Frau Wagenknecht fokussierte, dass es bereits als Zuschauer etwas schauderte, ob der Gastgeberqualitäten des Moderators, der seinen Gast so gar nicht zuvorkommend behandelte.

Die Sache bekam dann ihre eigene Dynamik, als aus Verärgerung über solch einen Gesprächsverlauf eine Zuschauerin adhoc eine Online-Petition startete, die die explizite Aufforderung beinhaltete, das ZDF möge sich doch von solch einem Moderator trennen, denn das ZDF sei schliesslich ein öffentlich – rechtlicher Sender und infolge dessen mit Gebührengeldern der Bevölkerung finanziert. Und die habe schliesslich auch ein Wörtchen mitzureden, ob solcherlei journalistische Gebaren, die dem Informationsauftrag eines ÖR – Fernsehsenders wohl kaum entsprächen, hinnehmbar sind.

Soweit so gut – das erstaunliche an der Sache war dann, dass diese Online – Petition innerhalb von wenigen Tagen fast 200.000 Unterzeichner fand. Und das ist schon eine Hausnummer. Da können selbst Petitionen zum bedingungslosen Grundeinkommen ( ca. 76.000 Unterzeichner über mehrere Monate) oder zur Verhinderung eines gesetzlichen Streikverbotes ( ca. 34.000 Unterzeichner über mehrere Monate ) nicht mithalten.

Der Verlauf dieser Petition veranlasste dann den Spiegel, die Taz, die FaZ, die Welt, die Süddeutsche sowie viele weitere Medien darüber zu berichten. Der Spiegel führte sogar ein Interview mit der Initiatorin dieser Petition, einer 54 jährigen politisch interessierten Betriebswirtin aus Leipzig.

Was können wir nun daraus über den Zustand unserer Medien ableiten ?

Bestimmte Journalisten und Publizisten versuchen, solche erfolgreichen, öffentlichen Reaktionen ( hier die Petition ) auf ein offensichtlich journalistisches Fehlverhalten ( wohlwollend formuliert ) als Shitstorm abzuwerten.

Die beliebteste Unterstellung solcher Journalisten ist dann: da sind nur gekränkte Laien, die sowieso die relevanten, politischen Zusammenhänge u. Hintergründe nicht durchschauen. Oder die berühmte, empörungsgeile Netzgemeinde „mit einem fröhlichen Vernichtungswillen, die sich …  an der virtuellen Macht ihrer zum Shitstorm gebündelten Ressentiments erfreut“ ( Spiegel – online 24.Jan. 2014 6:16 Uhr ).

Implizit wird den Unterzeichnern dieser Petition also wahlweise unterstellt:

–  es sind nur verbohrte linke Fundamentalisten mit ideologischen Scheuklappen, die Ihre Weltanschauung promoten wollen   …      oder

–  es ist ein geistloser, leicht manipulierbarer Mob, der “ … sich der Selbstentscheidung darüber unterziehen sollte, ob er sich mit so   etwas  freudig  erregt, direktdemokratisch und persönlich an einer Treibjagd beteiligen wolle … “ ( Spiegel – online  24.Jan.  2014    6:16  Uhr)

In jedem Fall aber:

Ihr seid zu ungeübt, eine harte Diskussion von einer unfairen, tendenziösen Gesprächsführung zu unterscheiden. Das können nur Profi’s. Die Journalisten eben.

Da wird die ganze Anmaßung und Arroganz mancher sog. Journalisten deutlich. Die ganze Debatte wird aber sicherlich noch mehr positive Effekte für die weitere, positive Fortentwicklung unserer Medien auslösen.

Herr Lanz wird sicherlich in Zukunft professioneller agieren. Immer mehr Leute werden wütend werden, über die herablassende Bevormundung durch einen bestimmten Typus von Journalisten, der nicht den nötigen Abstand zu den handelnden Personen in einem Sachthema einhält . Der Erklärversuch der Griechenlandrettung durch Herrn Lanz in der Sendung zeigte ja gerade sehr schön, dass er dieses Thema leider auch im Jahr 5 der Bankenrettung durch Staaten noch nicht verstanden hat.

Auf der anderen Seite werden die Menschen aber auch wieder feststellen, dass sie eine Stimme haben, die etwas bewirken kann.

Denn: eine Petition z.B.  ist öffentlich. Jeder kann mitzählen.  100.000 erzürnte Leserbriefe an eine Redaktion oder facebook – Kommentare würden auch nerven, aber die kann man herunterspielen, verschweigen oder einfach löschen. Die Petition gibt dem Shitstorm einen Wert im naturwissenschaftlichen Sinne. Eine Zahl – die für sich steht. Diese Zahl wiederum erzeugt dann ein mediales Echo in den Massenmedien, die dadurch eben nicht mehr nur Mainstream sind, sondern gezwungen werden, sich mit solchen Argumenten zu beschäftigen.

Und solch eine Erkenntnis ist doch sehr positiv ! Wir sollten lernen, uns wieder zielgerichtet und kompetent in die Dinge einzumischen, die unser tägliches Leben ausmachen. Und vor allem nicht alles, was uns vorgesetzt wird, unreflektiert nachplappern. Nur so können wir uns unsere Demokratie zurückerobern.

einen schönen Samstag wünscht euch

flexgood

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